KRAS Volendam zu Besuch bedeutet große Physis und extreme Härte im Spiel. Was hatte das Eupener Trainerteam vorbereitet, um dem starken Gegner Paroli bieten zu können?
Die KTSV Eupen ging mit einem dezimierten Kader in die Partie gegen Volendam. Mehrere Spieler mussten geschont werden oder fielen verletzungsbedingt aus. Die Gäste aus den Niederlanden hingegen reisten in Bestbesetzung an und wollten sich in Eupen möglichst teuer verkaufen. Mit besonderem Interesse wurde der erste Auftritt von Neuzugang Jules Dauzet verfolgt, der direkt in der Startformation stand.
Der Beginn verlief allerdings alles andere als optimal für die Gastgeber. Volendam eröffnete früh den Torreigen zum 0:1 und profitierte anschließend von einigen Eupener Fehlpässen, die rasch zum 0:2 führten. Die Niederländer beeindruckten mit enormer körperlicher Präsenz und machten deutlich, dass sie nur durch viel Bewegung und schnelles Umschaltspiel zu knacken sein würden.
Eupen zeigte sein Können durch schnelles Kombinationsspiel
Doch Eupen zeigte Charakter. Kjeld Dekker verkürzte in der 4. Minute und leitete damit eine starke Phase der Hausherren ein. Geoffrey Lahonda stellte per Gegenstoß auf 2:2, ehe Jules Dauzet erstmals seine Qualitäten aufblitzen ließ und das 3:3 erzielte. Kurz darauf brachte Lahonda Eupen mit 4:3 erstmals in Führung. Die Schwarz-Weißen blieben nicht nur auf Augenhöhe, sondern setzten selbst die Akzente. Mit einer sehr hoch stehenden Abwehr versuchte man, die Laufwege der Gäste frühzeitig zu unterbinden.
Dauzet erhöhte nach einer sehenswerten Einzelaktion auf 5:3. Eupen präsentierte sich in der Anfangsphase hellwach und äußerst beweglich. In der 10. Minute wurde der erste Siebenmeter herausgeholt, den Dekker sicher zum 6:5 verwandelte. Wenig später traf Geoffrey Lahonda aus spitzem Winkel präzise ins obere linke Eck zum 7:5. Das Spiel entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, in dem Eupen jedoch die bessere Balance zwischen Angriff und Abwehr fand.
Großen Anteil daran hatte Torhüter Youri Denert, der innerhalb weniger Sekunden zwei Gegenangriffe der Gäste mit hervorragenden Paraden entschärfte und seine Mannschaft damit in Führung hielt. Nach und nach reihten sich weitere Spieler in die Torschützenliste ein. Julian Kirschbaum und Thomas Mormont sorgten für das zwischenzeitliche 10:8 in der 18. Minute.
Der Matchplan des Trainers ging in der 1. Halbzeit auf
Die Gastgeber gaben in der ersten Halbzeit klar den Ton an. Das hohe Engagement und die konsequente Umsetzung des Matchplans trugen Früchte. Trainer Thomas Cauwenberghs hatte seine Mannschaft hervorragend eingestellt und Eupen behielt lange die Kontrolle über die Partie. Doch ein Spitzenteam wie Volendam findet immer wieder Lösungen. Die Gäste kämpften sich auf 11:10 heran, bevor Kjeld Dekker mit einem wuchtigen Schlagwurf zum 12:10 antwortete.
Die Torausbeute der Eupener konnte sich sehen lassen. Als in der 23. Minute einige taktische Anpassungen nötig wurden, nahm das Heimteam seine erste Auszeit. Wichtig war nun, das hohe Tempo aufrechtzuerhalten. Genau das gelang: Geoffrey Lahonda fing einen Ball in den Angriffsreihen der Niederländer ab und vollendete den anschließenden Gegenstoß zum 14:12.
Auch Jules Dauzet zeigte immer wieder, warum er als Verstärkung geholt wurde. Mit seinen dynamischen Bewegungen brachte er die gegnerische Defensive mehrfach in Verlegenheit und erzielte das 15:13. Kurz darauf trug sich auch Hugo Rodado mit einem sehenswerten Dreher aus extrem spitzem Winkel in die Torschützenliste ein. Den zweiten Siebenmeter des Abends verwandelte erneut Kjeld Dekker souverän. Kurz vor der Pause musste Thomas Mormont dann die erste Zeitstrafe der Begegnung antreten, als er in der 28. Minute für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde.
Halbzeitstand 17-16
Die zweite Halbzeit begann für Eupen unter schwierigen Vorzeichen. Noch 40 Sekunden mussten die Hausherren in Unterzahl überstehen. Doch die Defensive hielt dem Druck stand und überstand diese heikle Phase ohne Gegentreffer. Nach dem Seitenwechsel kam Volendam deutlich besser aus der Kabine. Die Niederländer übernahmen beim 17:18 erstmals seit den Anfangsminuten wieder die Führung. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Julian stellte umgehend den Ausgleich her, und nur Augenblicke später eroberte Eupen den Ball zurück. Die Halle war sofort wieder da, das Momentum schien zu kippen.
Youri zeigte anschließend seine ganze Klasse. Der Torhüter stand goldrichtig und vereitelte eine hundertprozentige Chance der Gäste. Offensiv tat sich Eupen jedoch schwer, klare Abschlüsse herauszuspielen. So konnte Volendam erneut vorlegen und auf 18:19 stellen. Wenig später erhöhten die Niederländer per Siebenmeter sogar auf 19:21. Jetzt war Kampfgeist gefragt. Trainer Thomas Cauwenberghs war mit dem Auftritt seiner Mannschaft alles andere als zufrieden. Energisch nahm er eine weitere Auszeit und versuchte, sein Team wachzurütteln. Die Eupener bissen sich zu diesem Zeitpunkt regelrecht an der massiven holländischen Abwehrmauer die Zähne aus.
Eupen tat sich anfangs schwer, es musste umgestellt werden
Doch dann kam die Wende. Thomas holte mit einer starken Aktion einen Siebenmeter heraus. Kjeld trat an und hämmerte den Ball unhaltbar ins obere Eck. Nur noch 20:21! Von diesem Moment an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Um jeden Ball, jeden Meter und jeden Zentimeter Raum wurde erbittert gekämpft.Julian glich zum 21:21 aus und die Arena stand Kopf. Hatte die Abwehr einmal eine Lücke, war auf Keeper Youri Verlass. Mit starken Paraden hielt er sein Team im Spiel. Als Eupen den nächsten Siebenmeter zugesprochen bekam, zeigte Kjeld erneut Nerven aus Stahl und verwandelte sicher zur 23:22-Führung.
Die Atmosphäre in der E-Technik Arena war nun kaum noch zu übertreffen. Die Spannung lag förmlich in der Luft. Dann folgte einer der schönsten Momente des Spiels: Nicolai Zidorn setzte zu einer perfekten Einzelaktion an und stellte auf 24:22. Eupen hielt nicht nur dagegen, sondern drückte dem Spiel zunehmend seinen eigenen Stempel auf. Doch Volendam gab sich nicht geschlagen. Nach einem harten Foul von Martin Massat musste Eupen eine Zwei-Minuten-Strafe hinnehmen. Die Gäste erhielten einen Siebenmeter und witterten ihre Chance. Max Schunck parierte den Strafwurf souverän und hielt die Führung fest.
Ein Spiel wie ein Krimi
Die Schlussphase hatte alles, was ein Handball-Krimi braucht. Die Zweikämpfe erinnerten stellenweise eher an Ringkämpfe, so kompromisslos wurde verteidigt. Fünf Minuten vor dem Ende stand es 25:24, und die E-Technik Arena kochte. Es kam die möglicherweise spielentscheidende Szene: Julian erkämpfte zweieinhalb Minuten vor Schluss einen weiteren Siebenmeter. Wieder übernahm Kjeld Verantwortung. Wieder verwandelte er eiskalt. 26:24!
Volendam zeigte nun Nerven und verlor im nächsten Angriff den Ball. Noch zwei Minuten auf der Uhr, Eupen in Ballbesitz und die Gäste mit einer aggressiven Manndeckung. Die Sekunden schienen plötzlich endlos zu werden. Trainer Thomas Cauwenberghs nahm seine letzte Auszeit und schwor sein Team auf die entscheidenden Momente ein. Und nun kam die Erlösung: Nicolai Zidorn krönte seine starke Leistung mit dem Treffer zum 27:24, nur 40 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Die Entscheidung! Als Jules kurz darauf auch noch das 28:24 nachlegte, gab es kein Halten mehr.
Endstand 27-24
Mit dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Die Zuschauer feierten ausgelassen, die Spieler lagen sich in den Armen. Eupen gewinnt nach einem leidenschaftlichen Kampf mit 28:24 gegen Volendam und feiert somit den ersten Sieg in der SHL. Eine Mannschaftsleistung voller Herz, Kampf und Charakter. Genau die Art von Abend, die den Handball so faszinierend macht. 🏆👏