KTSV Eupen - Handball in Eupen, Ostbelgien und Raum Aachen

Der Start ins Neue Jahr wurde Samstag leider zu einem Debakel durch die herbe Niederlage in Houthalen. Umso mehr war das Team gewillt heute eine passende Reaktion zu zeigen, den Beweis anzutreten, dass ihr Platz in der SHL ist. Gegner war der kein geringerer als der HC Visé.

Fotos: Bernd Rosskamp

Endlich war er wieder da: Lou Peters, nach wochenlanger Verletzungspause zurück im Kader – und dann direkt von Beginn an auf der Mittelposition. Man spürte sofort, wie sehr er dieses Comeback wollte. Und Eupen startete mutig: Erst im zweiten Anlauf zappelte der Ball im Netz, Nicolai Zidorn sorgte für das vielumjubelte 1:0.

Doch Visé zeigte früh, dass sie an diesem Abend nicht gewillt waren, Geschenke zu verteilen. Sie drehten das Spiel zum 1:2, bevor Lou Peters seinen Moment hatte: sein erster Treffer nach der Rückkehr – das ganze Team jubelte mit ihm – 2:2.

Die Partie nahm Fahrt auf, Lüttich legte vor (3:4), aber Eupen blieb hellwach, nutzte die Räume clever und kam durch Thomas Mormont zum 4:4-Ausgleich zurück. Kurz darauf boten sich drei riesige Chancen – Eupen hätte längst führen können. Doch wie es im Handball manchmal ist: Zentimeter fehlten, der Ball sprang ab, der Torwart stand goldrichtig.

Dann ein perfekter Gegenstoß, Geoffrey Lahonda vollendete eiskalt – Eupen lebte wieder!

Eine Unterzahl wurde mit großem Kampfgeist überstanden, ehe eine unglückliche Szene folgte: Thomas Mormont hörte den Pfiff des Unparteiischen nicht und warf weiter – Zeitstrafe. Pure Frustration, aber Eupen gab nicht nach. In einem wahren Kraftakt tankte sich Simon Bock durch und wuchtete den Ball zum 7:7 in die Maschen.

Die Spannung war kaum auszuhalten. Visé legte vor, Eupen antwortete. Kein Team konnte sich auch nur einen Hauch absetzen. Um das Angriffsbollwerk der Gäste einzudämmen, stellte Eupen mutig auf eine hohe, aggressive Abwehr um – und es wirkte. Visé verlor zunehmend den Faden (9:10).

Nach 22 Minuten nahm Visé das erste Timeout. Doch es half ihnen kaum: Das Spiel wurde wild, hektisch, fast chaotisch. Eupen fehlte in dieser Phase etwas der Biss im 1-gegen-1, während Visé sich in technischen Fehlern verstrickte. Beim Stand von 10:10 erhielten die Gäste ihren ersten Strafwurf.

Eupens Rückraum mühte sich redlich, doch der gegnerische Torhüter hatte einen Sahnetag. Viele Würfe kamen ohne genug Druck – leichte Beute.

Dann, kurz vor der Pause, explodierte die Halle: Mikka Förster traf zur ersten Führung – 13:12!

Und es kam noch besser: Ein Wechselfehler bei Visé bescherte Eupen die Überzahl, die eiskalt zum Halbzeitstand von 14:12 genutzt wurde.

Mit diesem Schub ging es in die Kabine – Eupen war wieder voll im Spiel, voller Kampfgeist, voller Emotion.

Halbzeitstand 14-12

Zweite Halbzeit – Ein Herzschlagfinale in der E‑Technik Arena

Beide Teams kamen fokussiert und voller Energie aus der Kabine. Man spürte: Diese 30 Minuten würden alles entscheiden. Drei Minuten lang tat sich nichts am Spielstand – die Spannung knisterte – bis Nicolai Zidorn endlich den Bann brach und euphorisch auf +3 stellte. Kurz darauf fasste sich Simon Bock ein Herz, stieg kompromisslos hoch und hämmerte den Ball zum 16:13 ins Netz. Eupen war da. Eupen war im Flow.

Auch wenn nicht jede Aktion perfekt saß, war Eupen in dieser Phase klarer und entschlossener als Visé. Dann der große Moment: Ein traumhafter Kempa, perfekt vollendet – pure Handballmagie, die die Arena erbeben ließ. Eupen hielt den Drei‑Tore‑Vorsprung fest.

Und Eupen wollte mehr: Wieder war es Zidorn, der nach herausragender Vorarbeit von Simon Bock einnetzte. 18:14 in der 39. Minute – Eupen war jetzt im Kampfmodus, im Hochdruckbetrieb, mit Herz und purer Entschlossenheit.

Doch Visé wäre nicht Visé, wenn man sie einfach abschütteln könnte. Schritt für Schritt kämpften sie sich zurück (19:17), und die Partie begann zu brennen. Die Emotionen steigerten sich, auf dem Feld und auf den Rängen. Eupen musste jetzt jedes Duell gewinnen, jeden Kontakt standhalten.

Beim 20:19 wurde es richtig hitzig – die Stimmung kochte, auch weil mehrere zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen gegen Eupen fielen. Die Halle tobte, pulsierte, lebte. Eupen blieb knapp vorn (21:20), aber das Spiel stand auf Messers Schneide.

Als Visé eine weitere Zeitstrafe kassierte, entschied sich Eupen für die erneute hohe, aggressive Abwehr – und sie funktionierte. Doch die Gäste zeigten ihre Klasse: 22:22 in der 52. Minute. Alles war wieder offen. Die Partie war jetzt ein Nervenkrimi. Ein Duell Mut gegen Mut.

Dann der Schock: Visé schlug zweimal eiskalt zu – 22:24. Das Spiel drohte zu kippen. Die Eupener Fans hielten den Atem an.

Doch dann übernahm einer Verantwortung: Simon Bock, der Mann der Schlussphase. Erst der wichtige Strafwurf zum 23:24. Dann der Ausgleich – 25:25. Die Halle explodierte. Simon war jetzt nicht mehr zu stoppen.

Mit unbändigem Willen, Selbstvertrauen und purer Entschlossenheit erzielte er zwei weitere Treffer, brachte Eupen wieder auf +2 und entfachte einen Orkan an Emotionen in der E‑Technik Arena. Die Fans standen, schrien, lebten jede Sekunde.

Eupen spielte die letzten Angriffe clever herunter, kämpfte um jeden Ball, um jeden Kontakt, und rettete den so hart erarbeiteten 28:26-Heimsieg über die Linie.

Was für ein Krimi!

Was für eine Atmosphäre!

Was für ein Abend, an dem Eupen bewies, was Handball ausmacht: Kampf, Leidenschaft, Emotion – und ein Team, das niemals aufgibt.

Endstand 28-26