Erste Halbzeit: Eupen sucht Rhythmus – Izegem nutzt jede Lücke
Wir sind in Izegem, letztes reguläres Saisonspiel der Coinmerce Super Handball League – und der KTSV Eupen geht engagiert in diese Partie. Der Auftakt sitzt sofort: Kempa‑Anspiel, Lou Peters steigt hoch – Tor! Ein Lehrbuchangriff, 1:0 Eupen. Doch die Antwort der Gastgeber folgt prompt. Zwei schnelle Gegentreffer drehen die Partie, ehe erneut Lou Peters Verantwortung übernimmt, erst zum Ausgleich trifft und Eupen sogar wieder in Führung bringt.
Izegem lässt sich davon nicht beeindrucken. Der Aufsteiger, längst gesichert, spielt befreit auf – für die Ehre, für das heimische Publikum. Mit dem 5:3 übernehmen die Gastgeber erstmals klar das Kommando. Eupen, heute ohne den verletzten Julian Kirschbaum, versucht mitzuhalten, doch die Defensive wirkt früh anfällig.
Ein Ballverlust der Hausherren eröffnet Hugo Rodado die Chance zum direkten Gegenstoß – eiskalt verwandelt, 7:6. Hoffnung keimt kurz auf, doch Izegem antwortet mit einfachen Toren, zu einfachen Toren aus Eupener Sicht. Innerhalb weniger Minuten setzt sich der Gastgeber ab. Beim 10:6 greift das Trainerteam erstmals ein, bringt Simon Bock und Jérôme Majean.
Die Wirkung bleibt zunächst aus. Eupen läuft nun einem Fünf‑Tore‑Rückstand hinterher. Simon Bock übernimmt Verantwortung vom Punkt, verwandelt den Siebenmeter zum 12:8, doch es kommt noch dicker: Zeitstrafe gegen Martin Massat.
Eupen in Unterzahl – Izegem wittert seine Chance.
Die Gastgeber sind jetzt beweglicher, aggressiver, klarer im Abschluss. In der 16. Minute steht es 14:9, Izegem hat hier alles im Griff. Eupen findet keinen Spielfluss, der Ball läuft zu langsam durch die eigenen Reihen, und wenn der Abschluss kommt, steht häufig der gegnerische Torwart im Weg.
Defensiv zeigt sich Eupen anfällig. Die Abwehr bekommt keinen Zugriff, Izegem dringt viel zu leicht bis an den Sechsmeter heran. Auch das Tempospiel nach vorne stockt – kaum Druck auf die zurücklaufende Abwehr, kaum einfache Tore.
In der 26. Minute ist es erneut Hugo Rodado, der auf 18:13 verkürzt. Doch näher kommen die Eupener nicht. Im Gegenteil: Izegem legt nach, zieht davon auf 21:14. Das Zusammenspiel beim KTSV hakt, Abstimmung und Aggressivität fehlen.
Dann endlich der Halbzeitpfiff. 22:16 für Izegem. Ein durchwachsener erster Durchgang aus Eupener Sicht – hier muss in der Kabine deutlich nachjustiert werden, will man diese Partie in der zweiten Halbzeit noch einmal offen gestalten
Halbzeitstand 22-16
Zweite Halbzeit: Eupen kämpft sich zurück – Drama bis zum letzten Wurf
Die zweite Halbzeit läuft – und Eupen kommt wie ausgewechselt aus der Kabine! Die ersten drei Treffer gehen alle auf das Konto des KTSV. 22:19 – und man fragt sich unweigerlich: Was hat Trainer David L’Hoest seinen Jungs in der Pause mitgegeben? Eines ist sicher: So kann und soll es weitergehen.
In der 34. Minute ist es Jérôme Majean, der zum 22:20 trifft. Eupens Abwehr arbeitet jetzt deutlich stabiler, steht kompakter und unterbindet die Angriffe von Izegem viel konsequenter. Der nächste Ballgewinn, der nächste Gegenstoß – nur noch ein Tor Rückstand! Izegem wirkt plötzlich verunsichert, als hätte ihnen die Pause den Rhythmus genommen. Eupen dagegen ist wie verwandelt.
Und der Druck hält an! Simon Bock übernimmt Verantwortung, trifft doppelt – 23:23! Unglaublich: Ein Sechs-Tore-Rückstand ist bereits in der 37. Minute egalisiert. Was für eine Wende, was für eine zweite Halbzeit!
Alles wieder offen in Izegem.
Jetzt ist richtig Tempo im Spiel. Drive, Mut, Intensität – und das auf beiden Seiten. Auf Führung folgt Ausgleich, dann wieder Führung. Doch Eupen erlaubt sich weiterhin zu viele technische Fehler. Izegem nutzt das eiskalt und geht in der 42. Minute wieder mit 28:26 in Führung.
Eine dringend notwendige Auszeit bei Eupen. Neu ordnen, beruhigen, Fokus. Doch erneut schleichen sich Fehler ein – Izegem bekommt Aufwind und setzt sich wieder mit drei Toren ab. Jetzt ist es Zeit für den Torhüter – und Max Schunck ist da! Parade um Parade hält er seine Mannschaft im Spiel.
Noch 15 Minuten auf der Uhr. Es entwickelt sich ein offener Schlagabtausch – 30:27 in der 47. Minute. Eupen gibt nicht auf. Jérôme Majean trifft zum 30:28, bleibt eiskalt. Und hinten? Max Schunck sichert weiter den Rücken. Dann der nächste Kracher: Nicolai Zidorn trifft aus dem Rückraum – 30:29! Hier ist definitiv noch etwas drin.
Eupen agiert jetzt agil, hilft sich in der Abwehr, erzwingt den nächsten Ballgewinn – und Thomas Mormont gleicht aus: 30:30! Acht Minuten noch. Alles ist möglich. Die Nerven liegen blank. Zwei starke Paraden des Izegemer Torhüters verhindern die Eupener Führung. Stattdessen trifft Izegem zum 31:30. Eupen antwortet – 31:31. Nächster Eupener Angriff, die Chance zur Führung – vergeben. Das darf jetzt eigentlich nicht passieren.
Doch Eupen wirft alles hinein. Volle Attacke. Simon Bock trifft zum 32:32 – noch anderthalb Minuten. Dann der ganz große Moment: Gegenstoß Eupen, Thomas Mormont bringt den KTSV mit 32:33 in Führung! Die Halle bebt – aber Izegem schlägt zurück. 33:33, noch 15 Sekunden. Eupen nimmt die letzte Auszeit, der letzte Spielzug, die letzte Hoffnung auf den Sieg. Der Wurf kommt – gehalten!
Abpfiff bei 33:33
Ein Unentschieden, das angesichts der zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten gerecht ist. Eupen zeigt Moral, Charakter und Kampfgeist – und nimmt einen wichtigen Punkt mit, der Mut macht für die kommenden Halbfinalspiele.